
... die sich ohne Rücksicht auf Kälte, Wetter und Entfernung auf den Weg machten, die bekannte Kreidegrube im Norden persönlich in Augenschein zu nehmen
Unter Zuhilfenahme mehrerer elektronischer und humaner Navigationssysteme steckten wir einen neuen Kurs ab und hatten schließlich um die Mittagszeit unseren "touch-down" in der Basis Kreidesee.
Anrödeln am Einstieg Nr. 1 (man ist schließlich nicht umsonst Beamter), der wie alle Einstiege vorbildlich mit Tischen versehen ist, damit die Ausrüstung auf dem sandigen Boden nicht zu sehr leidet. Anschließend kurze Gruppeneinteilung, alle Infos vorbeikommenden Taucher verwertet (Sicht: "war schon besser !"), eigenes Briefing, dann gings endlich los.
Tauchen entlang der Straße, die Orientierung mit Hilfe der gepflasterten Fahrbahn und des Bordsteins kinderleicht, Sicht ca. 8-10 m (kurze Erinnerung, was haben die für Ansprüche ?!?), vorbei an Plattform, VW Polo, Segelboot und Betonschütte, dann kommt bereits das erste Halbzeit-Zeichen (100 bar). Also kehrt marsch und zurück durch umgestürzte Bäume, Gestrüpp und Bewuchs. Dabei freundet sich ein portionsgroßer Saibling mit uns an und will uns gar nicht mehr von der Seite weichen (wird hier etwa gefüttert ?). Der Ausstieg erfolgte, ganz vorschriftsmäßig, schließlich wird hier kontrolliert, mit 50 bar. Zwei Taucher/innen mit ausreichendem Luftvorrat erkundeten noch den linken Teil des Einstiegs und fanden einen Drop Off vom Allerfeinsten. Senkrechte Abbruchkanten, unendliche Tiefen bei Klasse Sicht. Taucherherz, was willst Du mehr ! Begeisterung allerorten.
Der 2. TG, streng bürokratisch natürlich am Einstieg Nr. 2 (Einstieg über eine Taucherplattform), führte uns bis zum allseits bekannten Rüttler, den wir -noch- von oben betrachteten. Im Uferbereich warteten wieder zwischen Bäumen und Sträuchern verschiedene Saiblingsarten, Barsche und Rotfedern auf uns und verkürzten uns die Zeit bis zum Ausstieg. Am Abend wurde der Grill zusammengesteckt und die drohenden Regenwolken durch Beschäftigung unserer "Tänzerin" neutralisiert. Es stellte sich heraus, daß unsere Vorräte locker für die doppelte Anzahl ausgehungerter Mäuler ausgereicht hätten.
Am nächsten Morgen stand der Tieftauchgang an. Der Einstieg Nr. 1 hatte sich dafür als besonders günstig erwiesen. Freier Fall bis auf ca. 35 m, danach zurück zum Ufer und vorbei an diversen Hinterlassenschaften des Tagebaubetriebes.
Der nächste Tauchgang im hinteren Seebereich, von einem anderen Taucher als wunderschön gepriesen (Einstieg Nr. 4, Anarchie macht sich breit), führte uns zum einem versenkten Wohnwagen und zu spärlichem Bewuchs. Der letzte Tauchgang des Tages führte uns zum Einstieg Nr. 5, der aufgrund des langen Fußweges einige Anforderungen an die Kondition stellte. Dafür wurden wir aber durch ein versenktes Boot, steile Kante und einige Höhlen entschädigt. Ein Taucher muß bei diesem TG eine Sehstörung gehabt haben, er verwechselte seinen Halbtrocki mit einem Ganztrocki, irgendwann wird halt jeder weich ...
Fazit: Mit den richtigen Leuten ist Hemmoor auch bei schlechtem Wetter eine Reise wert.
Jochen
Bilder: Hemmoor 2005